Also Trier hat sich in den letzten Wochen als äußerst feuerfreundlich herausgestellt. Da ich letzte Woche im Rahmen der internationalen Bildungsstreiks am Ende von einer Demo mit zwei anderen Feuerkünstlern eine kleine Show gegeben hab (yay, meine erste Show, und dann noch gleich vor der Porta Nigra mit 800 Zuschauern), musste ich für die Genehmigungen ja durch die Ämter tingeln.
Ordnungsamt: "Also da gehen sie am besten zum Rathaus und rufen kurz bei der Feuerwehr an, damit kein Wagen vorbei kommt. Wir haben da eigentlich nichts mit zu tun. Aber das klingt nach einem sehr interessanten Hobby. Wie kommt man denn dazu? *Anfrage geht über in sehr nettes Gespräch*"
Feuerwehr: "5m Sicherheitsradius? Löschdecken,
Feuerlöscher und Spüli-Wassereimer [Danke @ Simon, btw

] und Helfer sind auch vor Ort? Ja dann füllen sie nur kurz das Formular [eine Sache von 2 Minuten] aus und machen sie sich keine Sorgen, mehr können sie ja wirklich nicht machen. Aber das klingt ja wirklich sehr interessant. Wie kommt man denn zu so einem Hobby? *Anfrage geht über in ebenfalls sehr nettes Gespräch*"
Rathaus 1. Besuch: "Oha! Das klingt aber nach einem sehr spannendem Hobby! Also wenn sie den Porta Nigra Vorplatz [immerhin Unesco Weltkulturerbe] vor vielen Menschen nutzen wollen, müssen sie natürlich Sicherheitsmaßnahmen beachten.[...] Oh ahja, ja DAS ist dann natürlich ausreichend. Aber eine sehr schöne Idee, das zu den Bildungsstreiks zu machen. Wir hoffen, dass Sie mit ihren Forderungen auch etwas erreichen und stehen da ganz hinter Ihnen allen. Das mit der Sondernutzungsgenehmigung [Erlaubnis, einen öffentlichen Platz für einen bestimmten Zweck z.B. Infostand, Großveranstaltung oder eben Kleinkunst zu benutzen], das kriegen wir schon durch."
Rathaus 2. Besuch [2 Tage später]: "Aah. Schönen guten Tag! Also die Genehmigung habe ich Ihnen ja schon zugemailt. Ist alles überhaupt kein Problem. *noch kurze kleine Formalia geklärt* Aber ist ja ein wirklich interessantes Hobby! Haben sie sich nicht einmal vorgestellt, öfter in der Stadt zu spielen? Zum Beispiel beim Altstadtfest, beim Römerfest oder einfach auf Hut in den Fußgängerzonen? Jongleure haben wir in den Fußgängerzonen leider noch keine, sowas bräuchte man hier noch wirklich, würde ja auch das Stadtbild nur verschönern. Wenn sie da auf Hut spielen, kommt bestimmt auch noch was bei raus. Beratschlagen sie sich einfach mal mit ihren Feuer- und Jonglagekollegen, eine Genehmigung zur Aufführung von Kleinkunst können sie hier jederzeit für 15€ pro Monat bekommen. *Es werden Orte empfohlen, evtl. weitere Anfragestellen und noch weiter über Bildungsstreik geredet*"
Und da die Veranstaltung vollkommen ohne Komplikationen verlief, bin ich mir sicher, diese Kleinkunsterlaubnis sehr bald zu beantragen, 15€ hat man beim Hutspiel mit Feuer ja recht schnell raus und da man die eben auch für diverse Orte geltend machen kann, wäre der Stadtpark zum Üben wohl genauso mit drauf. Trier (insbesondere das Rathaus mit seinen überaus freundlichen, hilfsbereiten und engagierten Mitarbeitern) hat also einige Fans dazugewonnen und sich mal als wirklich feuer- und Artistenfreundliche Stadt entpuppt (Die Kleinkunst wurde mir ja im Grunde angeboten, statt dass ich sie erfragen musste).
Fazit: zum Rathaus gehen und freundlich erkundigen, alles genau erklären und nicht irgendwelche Risiken verschweigen sondern lieber darstellen, wie man diese zu minimieren beabsichtigt (das auch schon vor dem Antrag klären) und schon ist die Angst vor dem Unbekannten (ist ja nunmal nicht gerade alltäglich) zum größten Teil beseitigt. Wenn man sich dann noch für ein hohes Ziel einsetzt, beweist man Menschlichkeit und ist der Genehmigung auch einen Schritt näher. Und dass Jonglage die Stadt nur noch interessanter und attraktiver machen kann ist wohl auch ein überzeugendes Argument. Nichtsdestotrotz liegt die Genehmigungsgewalt immer noch bei den Beamten, es kommt also auf ihre Einstellung zu unserer Sache an. Aber ich bin fest der Meinung, dass man, wenn man freundlich auf Menschen zugeht, sie diese Freundlichkeit (in den meisten Fällen) auch erwidern. Danke Ämter, Danke Trier!
Achja und wir haben ein sehr interessantes Hobby.