Wer mit dem Feuer spielt, kann sich schnell mal verbrennen. Vor einiger Zeit habe ich mich mal ausführlich mit diesem Thema beschäftigt. Das Resultat ist folgendes:
Zunächst einmal ist zu erwähnen, dass Verbrennungen in vier Grade eingeteilt werden.
Verbrennung 1. Grades:
Eine Verbrennung 1. Grades tritt durch starke Hitzeentwicklung von außen auf das Gewebe der (Ober-)haut ein, z. B. durch Flammeneinwirkung. Als erste Reaktion verbrennen die Tasthärchen auf der Haut. Da in diesen keine Schmerzrezeptoren vorhanden sind, tut dies nicht weh. Sie bestehen jedoch aus Proteinen bzw. aus Aminosäuren, die wiederum Stickstoff enthalten. Bei der Zersetzung dieser Eiweiße entstehen Stickstoffverbindungen, die nach verbranntem Horn und sehr ekelig riechen.
Unmittelbar auf die Hitzeeinwirkung reagieren auch die Thermorezeptoren und die Nozisensoren, die für das Schmerzempfinden zuständig sind. Die Sinnesreize werden sofort zum Gehirn an das zentrale Nervensystem (ZNS) gesendet und dort verarbeitet. Von hier aus erfolgt automatisch eine entsprechende Reaktion, die diesen bedrohlichen Zustand beenden soll. Die Reizstärke des Schmerzes nimmt dabei über die Dauer der Hitzeeinwirkung weiter zu, sodass das ZNS immer mehr mit entsprechenden Reizen überflutet wird. Durch die von außen auf den Körper einwirkende Hitze, reagiert die Thermoregulation zunächst mit einer Gefäßweitstellung, um diese übermäßige Wärme durch einen erhöhten Blutstrom gemäß der Wärmekonvektion wieder abzugeben.
Es kommt zunächst zu einem kontinuierlichen Wasserverlust innerhalb der betroffenen Zellen. Die Zellen werden geschädigt und die Durchblutung erhöht. Je nach Dauer und Temperatur der Hitzeeinwirkung auf die Haut kommt es zudem zu einer Gerinnung der Eiweißanteile. Die Haut wird, bedingt durch die erhöhte Durchblutung, rot und beginnt zu Schmerzen. Der 1. Verbrennungsgrad ist erreicht. Dieser ist mit einem Sonnenbrand vergleichbar und heilt ohne Folgeschäden nach wenigen Tage vollständig ab. Als sofortige Maßnahme beim Eintreten einer derartigen Verbrennung wird allgemein das Kühlen mit Wasser empfohlen. Allerdings sollte das Wasser eine Temperatur von 15°C – 20°C aufweisen und kein Eiswasser sein, weil es sonst zu einer zusätzlichen Gewebsschädigung kommt.
Verbrennung 2. Grades:
Schlimmer sieht es schon bei der Verbrennung 2. Grades aus. Kann die Hitzeeinwirkung nicht frühzeitig gestoppt werden, steigt die Temperatur im Körper weiter an, wobei ab ca. 41°C - 42°C die Thermoregulation des Körpers versagt. Die Gewebsschädigung ist deutlich tiefer und betrifft neben der Oberhaut auch die oberste Leberhaut. Die Haut beginnt sich zunächst gelblich zu verfärben und neben der anfänglichen Rötung des Gewebes, kommt es direkt oder später zur Blasenbildung. Diese sind mit einer Flüssigkeit gefüllt, die einen idealen Nährboden für Bakterien darstellt. Da die Haarwurzeln, Rezeptoren und Drüsen intakt bleiben, kommt es zu starken Schmerzen. Betroffen ist zunächst nur die Oberhaut (Epidermis), wobei nach und nach auf die Leder- und Unterhaut (Dermis & Subkutis) betroffen werden. Die Reizstärke nimmt weiterhin zu, was durch einen deutlichen Anstieg der empfundenen Schmerzen wahrgenommen werden kann. In der Folge stirbt das obere Gewebe, welches inzwischen stark durch das Feuer oder eine andere Hitzeeinwirkung geschädigt ist, ab. Der zweite Verbrennungsgrad ist erreicht. Er hinterlässt zwar keine Narben, kann jedoch zu einer Störung der Hautpigmente in den betroffenen Bereichen führen. Der Heilungsprozess dauert nun nicht mehr nur ein paar Tage, sondern zwei bis drei Wochen.
Verbrennung 3. Grades:
Bei einer Verbrennung 3. Grades ist die Haut tiefgreifend geschädigt, sodass sowohl Oberhaut, Lederhaut und Unterhaut betroffen sind. Auch die Drüsen, Rezeptoren und Blutgefäße sind zerstört bzw. verbrannt. Aus diesem Grund bluten Wunden in diesem Grad nicht und sind zudem schmerzlos. Nur an den Randbereichen treten starke Schmerzen auf, weil die Verbrennung dort nahtlos in den 2. Grad übergeht. Die Wunden sind hier stark infektionsgefährdet und weißlich bis schwarz verkohlt. Bei der Heilung des Gewebes kommt es zur Narbenbildung und sofern es über Gelenke verläuft, kann es ebenfalls zu Bewegungseinschränkungen kommen. Der Heilungsprozess ist langwierig.
Verbrennung 4. Grades:
Der vierte Verbrennungsgrad ist noch schwerwiegender. Auch Muskeln und Knochen können betroffen sein und eine spontane Heilung tritt nicht mehr ein. Dieser Grad ist denke ich für uns Feuerkünstler ohne Relevanz. Um jedoch zu schildern, wie er sich auswirkt, gehe ich mal davon aus, dass es sich nicht nur um eine kleine Verbrennung an den Händen handelt, sondern das es irgendwie dazu gekommen ist, dass man selbst in Flammen steht und diesen Körperbrand nicht rechtzeitig gestoppt bekommt.
Die Hautpigmente verändern sich von dem erst gelblichen über das bräunliche zum schwarz verkohlten Farbton. Das in den Zellen befindliche Wasser verdampft schlagartig, kann jedoch nicht einfach so den Körper verlassen, sodass es zu starken Schwellungen kommt. Dabei kommt es vor, dass z. B. das Gesicht aufgedunsen ist wie ein Ballon und die Augen zu Schlitzen zugeschwollen sind. Die Haut auf Brust, Bauch und Oberschenkeln verbrennt durch die Hitze zu einer einzigen Wunde. Die Luft in den Lungen dehnt sich extrem aus und bringt die Lungenflügel zum Platzen. Verkocht das Körperfett, schimmert es anschließend weißlich. Die Endglieder können wie Vogelkrallen starr und schwarz aussehen. Auf die Kopfhaare verschmoren und sind rußig. Durch diesen Verbrennungsprozess riecht es süßlich nach verbranntem Fleisch. Auch die Muskeln und Knochen werden nun betroffen und eine spontane Heilung tritt nicht mehr ein.
Allgemein gilt:
Verbrennungen des 1. Grades sind in der Regel ungefährlich, auch wenn sie schmerzen. Bei Verbrennungen des zweiten und dritten Grades kommt es immer auch darauf an, wie viel Prozent der Körperoberfläche betroffen sind. Ab ca. 10 % bei einem Erwachsenen und 5 % bei Kindern sollten die Geschädigten unbedingt in eine Spezialklinik gebracht werden, weil es zu einem hypovolämischen Schock kommen kann. Bei dieser Art des Schocks kommt es zu einer Verminderung des Blutvolumens, wodurch wiederum die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigt wird. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich und setzt sich unbehandelt weiter fort. Beurteilt wird die Ausdehnung von Verbrennungen nach der Neuner-Regel:
- 9 Prozent für jeweils Arm, Oberschenkel, Unterschenkel und Kopf
- 18 Prozent für die vordere Rumpfseite
- 18 Prozent für die hintere Rumpfseite
- 1 Prozent für den Genitalbereich
Sind 80 % oder mehr der Hautoberfläche von einer Verbrennung betroffen, tritt in der Regel der Tod ein, trotz intensiver Behandlung.
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Literatur:
Braune, C. (2005). Feuerzeichen - Warum Menschen sich anzünden. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin DGV. (2010). Leitlinien für chemisch / thermische Verletzungen. Zugriff am 12.07.10 unter
http://www.verbrennungsmedizin.de/leitlinien_2.htm
De Marées, H. (2003). Sportphysiologie (9. vollständig überarb. und erw. Aufl.). Köln: Strauß.
MedizinInfo. (2010). Verbrennungen. Zugriff am 12.07.10 unter
http://www.medizininfo.de/hautundhaar/so…rbrennungen.htm