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Mittwoch, 29. März 2006, 11:25

Gefahren des Feuerspuckens

Hier wurden die vielen informativen Beiträge des Forums gesammelt und gefiltert, die vollständigen Beiträge findet ihr in einen der Threads unten.

Zitat

Original von ecki
Re: lungenentzündung nach Feuerspucken
es war einmal vor langer zeit...

wie gesagt, ich habe 12 jahre unfallfrei (die lunge betreffend, brandblasen zählen nicht!) gespuckt und fühlte mich sehr sicher. das vorneweg.
zum spucken habe ich - neben dem anfangs wohl obligatorischen petroleum aus der blechkanne - zu 90% Pyrofluid (ehemals von pappnase) verwendet, weil´s so hübsch nach blendi geschmeckt hat und der lästige petroleum-geschmack, der sich bei anderen mitteln bis zu drei tagen gehalten hat (zumindest immer beim aufstoßen), fast nicht da war. wenn ich auf die schnelle nix anderes zur hand hatte, habe ich auch schon mal Lampenöl (von citronella bis fichtennadel) verwendet. meine beiden unfälle hatte ich aber mit Pyrofluid.
zu den unfällen: die spucktechnik war, mehrere kleine flammen im wechsel auf die mit der linken hand gehaltene Fackel und dann auf die rechte mit nur einer mundfüllung zu spucken. das publikum ging da immer ziemlich mit und ich habe versucht, alles zu geben, eh klar. wenn man´s übertreibt, muss man blöderweise noch wärend man fluid im mund hat, durch die nase luft holen und dabei ist wohl immer etwas fluid mit in die lunge geraten. nie soviel, dass ich es in dem moment gemerkt hätte, aber gleich nach dem spucken war da ein nicht enden wollender hustenreiz. der hat sich beim ersten mal gut drei stunden gehalten. natürlich geht ein mann wie ein baum nicht zum arzt, sondern knallt sich erstmal vor die glotze und denkt sich: "wenn´s bis morgen nicht besser wird, dann schau ich mal beim doc vorbei...". fehler! noch in der selben nacht gings mir so hundeelend, dass mich meine freundin am nächsten morgen zum arzt fahren musste. selber wärs nicht mehr gegangen. was dann kam, war das übliche prozedere: röntgen, antibiotika, röntgen, röntgen und röntgen. drei wochen krank geschrieben und ein halbes jahr kurzatmigkeit. das haben sowohl die krankenkasse (was immer mein doc der erzählt hat), als auch mein damaliger arbeitgeber noch geschluckt. naja, kaum war ich wieder gesund, musste ich´s nochmal wissen: gleiche technik, gleiche verlockung durchs publikum, gleicher größenwahn, gleicher husten. ich wusste ja jetzt, was das hieß und bin von der bühne runter und zum arzt. 30 minuten nach dem auftritt die erste dosis antibiotika geschluckt und drei stunden nach dem auftritt im reich der lebenden toten. gekotzt, was ging und ans sterben gedacht. 5 wochen krankgeschrieben, röntgen, röntgen, röntgen und röntgen, fast ein jahr kurzatmig (so kurzatmig, dass das sogar ein starker raucher noch merkt!), stress mit dem arbeitgeber.
tjanü, seither spucke ich nicht mehr.

auch sehr bemerkenswert: seit ich die beiden lungenentzündungen hatte, höre ich permanent von kollegen, denen´s genauso, oder schlimmer ging. selektive wahrnehmung? bestimmt! aber nicht nur...

gruß,
ecki


Zitat

Original von gé
09. 12. 2004 13:02:42

tachchen,

mir fällt auf, daß alle unfälle in der richtung, von denen ich gehört habe, leuten passiert sind, die lange erfahrung in der sache hatten. scheint was mir routine zu tun zu haben...
cu,



Zitat

Original von sam@feuershow
10. 12. 2004 10:47:53
Re: lungenentzündung nach Feuerspucken
Also ich verfolge das Thema mit den Unfällen sseit vielen Jahren relativ intensiv. Meistens sind es meiner Meinung nach folgende Gründe:

- keine ausreichende Erfahrung, Erprobung
- Stresssituation durch nicht durchdachte Situationen, viel Publikum, Beziehungsstress etc.
- körperlich nicht 100 % fit sein, z.B. Erkältung, Sonnenstich. Für die Restshow reicht es schon noch aber nicht fürs Feuerspucken
- Eingehen von zu hohen Risiken
- keine Absicherung gegenüber Betreten von "fremden" Leuten bsp. ein Ritter bei nem MA-Markt haut dem Feuerspucker "spasseshalber" auf die Schulter

Leider gab es aber auch Beispiele von sehr erfahrenen Leuten, die an sich nichts falsch gemacht haben und es ist dennoch passiert.

Ich mache es inzwischen so:
Kein Feuerspucken bei
- körperlichem Unwohlsein (z.B. leichte Erkältung) oder Stress (Pyrotechnikaufbau der länger als geplant dauert)
- wenn ich nicht wirklich bLust drauf habe (denn trotz alledem macht es ja Spaß!)
- ich lerne es niemandem mehr
- keine riskanten Tricks mehr wie früher (Kopfstand, Schulterstand, Zigarettentrick etc.)
- sobald das Pyrofluid im Mund ist wird der Trick gemacht. Keine Verzögerungen durch Fackeljonglage vorher und dann "überraschend" reinspucken wie früher. Wenn Pyrofluid im Mund volle Konzentration nur darauf, keinerlei Ablenkung und wenn dann sofort raus damit, egal ob es toll aussieht oder scheisse. Ich hatte kürzlich einen Auftritt vor lauter Promis. Die Gummidichtung der Pyrofluidflasche hatte sich etwas in Einzelteile aufgelöst, weil ich so selten spucke mittlerweile, also war ein kleiner Teil mit im Mund. Früher hätte ich es ignoriert, da habe ich es einfach wieder rausgespuckt ins Tränkgefäss. Unschön aber sicher und die Show war dennoch der volle Erfolg!
- nur noch max. 70 - 80 % der Leistungsfähigkeit spucken. Das merkt niemand. Ich habe schon 70 Einzelflammen gespuckt, jetzt spucke ich halt 40 - 50. Ist relaxter und niemand merkt es ernsthaft, wenn man es entsprechend rüberbringt. Ich denke das Problem ist wenn man an seine Grenzen geht und diese noch steigern will.

Dadurch hat es sich in den letzten 2 Saisons so entwickelt, dass ich relativ selten spucke und dann macht es auch Spaß, wobei das Risiko immer gegenwärtig ist und ich denke irgendwann habe ich einfach keine Lust mehr dieses Risiko einzugehen.

Ciao SAM


Zitat

Original von Brandma(h)l
ja um den kreis der geschädigten um eine person zu füllen reih ich mich auch mal ein .
hab ne ganz gute mange verschluckt, nicht in den magen sonder in die lunge und lag zum glück nur drei bis vier tage mit 40-41grad fieber im bett- bin natürlich dummer weise nicht zum arzt oder ins kranken haus gegangen sondern erst danach.
auch wenns blöd klingt, aber mein tipp nach dem krankenhaus aufenthalt ( was ich keinem wünsche!!!) neben antibiotika und chemischer keule einen hömoepatischen arzt zu rate ziehen - hat bei mir geholfen und ich mußte nicht die ganz heftigen hammer medikamente nehmen
@ sam ich stimme dir in allen deinen " einschränkungen" zu
es reich eigentlich aus eine flamme zu spucken und das publikum ist begeistert- ich denke die kunststückchen nebenher( kopfstand,...) sind drittrangig und somit wird sie der betrachter vergessen

grußle cle
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2

Mittwoch, 29. März 2006, 11:26

und weiter gehts, hier kommen die medizinischen Erklärungen:


Zitat

Original von frequenzkatastrophe
Hehe, das ist das richtige Topic für mich, ich spucke zwar noch nicht so lange, bin aber nebenbei noch Krankenpfleger auf einer Intensivstation (bzw. umgekehrt)

Also, erstmal allgemeines:
Wenn man Petroliumdestillate und dazu gehört Pyrofluid, in die Lunge bekommt (=aspiriert) bildet sich ein sog. "toxisches Lungenödem" d.h. die Lungenbläßchen werden zerstört und Flüssigkeit tritt aus, diese verursacht Probleme bei der Sauerstoffaufnahme ins Blut und den Husten + Übelkeit. Gegen dieses "toxische LÖ" hilft vor allem Cortison, i.d.R. als Inhalation, z.B. Pulmicort-Spray oder Auxilloson-spray. Ich habe das bei meinen Auftritten immer in Reichweite, ist aber für den Allgemeinbürger kaum erhältlich, da rezeptpflichtig. Wenn man seinen Hausarzt aber mal ganz lieb fragt verschreibt er es eventuell sozusagen als "Notfallmedikation" In der Akotsituation sin Antibiotika relativ nutzlos - Sauerstoff wäre noch nett, in schlimmeren Fällen, sofort Rettungsdienst + Notarzt!
Nach einigen Stunden bis Tagen bildet sich eine sogn. Aspirationspneumonie aus (= Lungenentzündung weil man was "falsches eingeatmet hat) diese kann sich auch durch Bakterienbefall verschlimmern - jetzt kommen die Antibiotika ins Spiel, hier haben sie ihren Zweck. Man bekommt dann auch Symptome wie Atemnot, Fieber und so weiter.

Fazit: kozentriert arbeiten und wenns passiert so schnell wie möglich professionelle Hilfe hinzuziehen, je früher behandelt wir, desto besser!


Zitat

Original von benny
hi leute

ich habe diese fragen am anfang der woche an ein uniklinikum geschrieben und hatte 1 tag später die antworten die auch sehr ausführlich beantwortet sind.


1.Welche Inhaltsstoffe verbergen sich hinter der UN Nr. 3295?

1. UN 3295 bezeichnet eine Restgruppe von flüssigen Kohlenwasserstoffen,
die nicht anderweitig näher bestimmt wurden (z.B. als leichtentzündlich
o.ä.). Bedeutet also nur: Flüssiger Kohlenwasserstoff.


2.Wie wirkt sich die Flüssigkeit bei richtiger und auch falscher anwendung auf meinen Körper aus?(schleimhäute,magen,etc.)


2. Pyrofluid besteht aus gereinigten Isoparaffinen also verzweigten
Kohlenwasserstoffen, die weitgehend von besonders geruchsintensiven
Beimengungen befreit wurden. Die Flüssigkeit wirkt starkt entfettend
und reizend. Längeres Einwirken auf die Hauf führt zu
verbrennungsähnlichen Verletzungen. Schleimhäute sind empfindlicher,
u.a. weil ihnen die schützende Hornschicht fehlt. In Mund, Rachen,
Speiseröhre und Magen treten nach (insbes. längerem) Kontakt Rötung und
Schmerzen auf. Am empfindlichsten ist die Schleimhaut der Lunge, die
bereits auf kleine Mengen mit heftigen Entzündungen reagiert. Um zum
Feuerspucken geeignet zu sein, muss die Flüssigkeit dünnflüssig genung
sein, um beim Spucken/Ausblasen ein feines Aerosol zu ergeben, und
andrerseits so wenig flüchtig, dass sie nicht sofort verdampft (also
besser nicht Benzin, deshalb Flammpunkt 65°). Diese Eigenschaften sorgen
gleichzeitig dafür, dass die Flüssigkeit leicht in die Lunge gerät,
sowohl beim sich-Verschlucken als auch einfach durch Ausbreitung auf
feuchten Oberflächen, ähnlich dem schillernden Ölfilm auf einer
Wasseroberfläche.. Problem ist also das Eintreten der Flüssigkeit in die
Lunge mit nachfolgender Lungenentzündung und evtl. bleibenden
Lungenschäden. Wir haben eine Serie von 37 Anrufen durch
Feuerspucker/innen oder deren Ärzten nachverfolgt und festgestellt, dass
diese Probleme auch bei erfahrenen Künstlern (!) auftreten, z.T. auch
ohne, dass diese gleich gemerkt haben, dass ihnen etwas in die Lunge
gekommen ist. Einige dieser Patienten waren mehere Wochen im
Krankenhaus, einem wurde ein Teil der Lunge entfernt.
Im Magen-Darm-Trakt - also nach runterschlucken - führen Pyrofluid und
ähnliche Präparate höchstens zu etwas Übelkeit, Bauchschmerzen und
Durchfall.


.Ich habe gehört und auch gelesen das die vorherige einnahme von Milch verringern soll das sich Fluid über die Schleimhäute in den Blutkreislauf gelangt! stimmt das?

3. Nein - die Resorption wir im Gegenteil eher verbessert. Wie unter
Punkt 2. ausgeführt, ist allerdings nicht die Aufnahme in den
Blutkreislauf das Problem, sondern der direkte Kontakt mit der
Lungenschleimhaut.

lg benny


Zitat

Original von Samsara
Klingt ja ziemlich fies.

Zitat

einfach durch Ausbreitung auf feuchten Oberflächen, ähnlich dem schillernden Ölfilm auf einer Wasseroberfläche

Damit lässt sich erklären, wieso das auch erfahrenen Feuerspuckern passiert. Bisher konnte ich mir das immer nicht so ganz vorstellen. Wer sich der Gefahr bewusst ist und dann auch noch praktische Erfahrung hat wird ja eigentlich nicht zufällig mal einatmen. Aber so kann das natürlich schneller passieren! Das wird sich halt auch summieren, also jedesmal bei spucken vielleicht ein Tropfen in die Lunge und irgendwann sind dann die Schleimhäute in der Lunge ganz im A....

Eigentlich wollte ich gerade wieder mit dem Feuerspucken starten, weil ich dachte, dass die Gefahren doch etwas überschätzt werden, aber jetzt zweifle ich wieder...


Zitat

Original von sam@feuershow
einzige anmerkung. Pyrofluid ist kein markenname, d.h. es werden unterschiedliche produkte unter dem namen verkauft. bei uns zb ist es kein gefahrgut, hat also keine un.nummer, da der flammpunkt höher ist.
ABER, m.m. nach verhält es sich trotzdem genauso wie du beschrieben hast!


Zitat

Original von shadow
passt vielleicht zur Inforamtionssammlung

wie Lampenöle gezeichnet sein sollen.

http://www.bmu.de/chemikalien/doc/6412.php

und wie kennzeichnungen nicht angebracht werden müssen,
http://www.hydro-color.com/Presse_index.htm
dabei sollte es sich um ein Biolampenöl handel

mfg shadow


EDIT der Thread ist geschlossen, er soll nur zur Info dienen, neue Beiträge sehr gerne unten, wichtige Infos werden hier reingezogen, gerne auch per pm an mich EDIT
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